Der Bund Gottes
Der Bund Gottes
Wir Bahá’í glauben, dass die unverkennbare Einheit der Bahá’í–Religion auf einem Versprechen Gottes an die Menschheit beruht, das sie Seiner fortwährenden Führung nach dem Hinscheiden Bahá’u’lláhs versichert. Dieses Versprechen wird als Bund Gottes bezeichnet.
Die Idee des Bundes zwischen Gott und Mensch ist natürlich den Anhängern vieler Religionen geläufig. Die Juden glauben, dass Gott einen Bund mit ihnen geschlossen hat und verspricht, sie zu führen, solange sie Seine Gesetze halten. Die Christen glauben, dass Jesus mit ihnen einen neuen Bund geschlossen hat.
Abdu‘l-Bahá schreibt im Tablet zum Göttlichen Plan (8:8)
Es gibt heute keine Macht, die Einheit der Bahá'í-Welt zu bewahren, außer dem Bunde Gottes; ohne diesen würde Streit die Bahá'í-Welt umfangen wie ein heftiger Sturm. ...
Wäre das Bündnis nicht entstanden, wäre es nicht von der Höchsten Feder offenbart worden, hätte nicht das Buch des Bundes die Welt erleuchtet gleich den Sonnenstrahlen der Wirklichkeit, so wären die Kräfte der Sache Gottes völlig zerstreut, und gewisse Seelen, Gefangene ihrer eigenen Lüste und Leidenschaften, hätten zur Axt gegriffen, den Heiligen Baum an der Wurzel zu fällen.
Ein jeder verfolgte dann seine eigenen Wünsche und spielte sich mit seiner eigenen Meinung auf.
Das Buch des Bundes, der Kitáb-i-Ahd, wurde von Bahá’u’lláh mit eigener Hand niedergeschrieben und von Ihm bezeichnet als „Seine Größte Tafel“ und „hochrotes Buch“
Der Bund Gottes besteht aus zwei Teilen: Der Größere Bund und der Kleinere Bund
Der Báb & Bahá’u’lláh offenbaren zum Größeren Bund:
„Der Herr des Alls erweckt keinen Propheten und sendet kein Buch herab, ehe Er nicht mit allen Menschen Seinen Bund geschlossen und sie aufgerufen hat, die künftige Offenbarung und ihr Buch anzunehmen; denn Seine Gnadengaben strömen unablässig und Grenzenlos.“
„...Der Glaube Dessen, den Gott offenbaren wird, hat seinerseits zusammen mit allen ihm vorangegangenen Offenbarungen die Manifestation zum Ziel, die bestimmt ist, ihm zu folgen.“
„Wer vor dem Ablauf eines vollen Jahrtausends Anspruch auf eine unmittelbare Offenbarung Gottes erhebt, der ist fürwahr ein lügnerischer Betrüger.“
Der Kleinere Bund Bahá‘u‘lláhs
Für Bahá’í erneuert der von Bahá’u’lláh geschlossene Bund das Versprechen göttlicher Führung und ist gleichzeitig ein System, das seinen Fortbestand sichert.
Insbesondere kann der Bund als Synonym für die Linie der Nachfolge nach Bahá’u’lláh verstanden werden, wie sie in den Schriften des Glaubens niedergelegt ist. Diese Linie führt von Bahá’u’lláh zu Seinem Sohn ‘Abdu’l–Bahá und von ‘Abdu’l–Bahá zu Seinem Enkel Shoghi Effendi und zum Universalen Haus der Gerechtigkeit, deren Nachfolge jeweils testamentarisch festgelegt, bzw. im letzten Fall in Bahá'u'lláhs eigenen Schriften festgelegt wurde.
Bahá‘u‘lláh stellt im Kitáb-i-Ahd `Abdu‘l-Bahá in den Mittelpunkt des Bundes:
„Dies ist der Letzte Wille des göttlichen Erblassers: Wenn das Meer Meiner Gegenwart verebbt und das Buch Meiner Offenbarung abgeschlossen ist, wendet euer Angesicht zu Ihm, den Gott bestimmt hat, der aus dieser Urewigen Wurzel entspross. Mit diesem heiligen Vers ist kein anderer gemeint als der Mächtigste Zweig (`Abdu‘l-Bahá). So haben Wir euch gnädig Unseren machtvollen Willen offenbart, und wahrlich, Ich bin der Gnadenvolle, der Allmächtige.“
Die Fortsetzung des Bundes nach dem Hinscheiden `Abdu‘l-Bahá finden wir im Hütertum und im Universales Haus der Gerechtigkeit. `Abdu‘l-Bahá legt in seiner Schrift: Wille und Testament fest:
„Der heilige, jugendliche Ast, der Hüter der Sache Gottes, wie auch das Universale Haus der Gerechtigkeit, das allgemein zu wählen ist, stehen beide unter der Fürsorge und dem Schutz der Schönheit Abhá, unter der unfehlbaren Führung Seiner Heiligkeit des Erhabenen ...
Was immer sie entscheiden, ist von Gott. Wer ihm nicht gehorcht oder ihnen nicht gehorcht, hat Gott nicht gehorcht, ...“
Über das Universale Haus der Gerechtigkeit steht im Testament geschrieben:
„Dem Heiligsten Buch muss sich jeder zuwenden, und was darin nicht ausdrücklich verwahrt ist, dem Universalen Haus der Gerechtigkeit vorzulegen.
Was diese Körperschaft einstimmig oder mit Stimmenmehrheit beschließt, ist die Wahrheit und Gottes eigener Wille. Wer davon abweicht, gehört fürwahr zu denen, die Zwietracht lieben, böse Absichten bekunden und sich vom Herrn des Bundes abwenden.“
Den Bahá’í gibt `Abdu‘l-Bahá eine klare Anleitung, wie sie dem Bund treu sein können:
„Das ist die Weisheit dieses unzweideutigen Gesetzes Gottes, dass zwischen zweien der Gläubigen Gottes kein Zank und Streit entstehen soll, dass sie in unendlicher Liebe und Freundschaft miteinander sprechen sollen. Sobald sich die geringste Spur von Gegensätzen abzeichnet, müssen sie schweigen und beide ihr Streitgespräch nicht länger fortsetzen, sondern bei dem Ausleger erkunden, wie es wirklich um ihre Frage steht.“
„Niemand hat das Recht, seine Meinung herauszustellen oder seine persönliche Überzeugung auszudrücken. Alle müssen Führung suchen und sich dem Mittelpunkt der heiligen Sache
sowie dem Hause der Gerechtigkeit zuwenden. Wer sich anderem zuwendet, ist fürwahr in schmerzlichem Irrtum.“