Leseempfehlungen
Geistigkeit und Fest feiern
Als erstes mußt du nach Geistigkeit dürsten, dann lebe das Leben! Lebe das Leben! Lebe das Leben! Um diesen Durst zu bekommen denke nach über das Leben nach dem Tode. Studiere die heiligen Worte, lies deine Bibel, lies die heiligen Bücher und studiere besonders die heiligen Aussagen Bahá’u’lláhs. Gebet und Meditation, nimm Dir für beides viel Zeit. Dann wirst du diesen großen Durst spüren, und nur dann kannst du anfangen, das Leben zu leben.
‘Abdu’l-Bahá
Das Fest ist euch einmal in jedem Monat bestimmt worden, sei es auch nur mit Wasser. Gott hat wahrlich beabsichtigt, die Herzen der Menschen zusammenzuführen, erfordere es auch alle Mittel auf Erden und in den Himmeln.
Bahá’u’lláh
Schöpfe mit den Händen des Verzichts aus seinen lebenspendenden Wassern und besprenge damit alles Erschaffene, damit es von allen menschlichen Begrenzungen reingewaschen werde und dem mächtigen Throne Gottes, diesem geheiligten, strahlenden Orte, nahe komme.
Bahá’u’lláh
Paßt Gottes Gebote nicht euren eigenen wunderlichen Vorstellungen an. Befolgt vielmehr mit dem Auge des Geistes, was Gott durch Seinen Befehl erschaffen hat, gleich wie ihr die Dinge seht mit den Augen eures Körpers.
Báb
Möchte ein Mensch sich mit dem Schmuck dieser Erde schmücken, ihre Trachten tragen und die Wohltaten genießen, die sie zu schenken vermag, so kann ihm das nicht schaden, sofern er nichts zwischen sich und Gott treten läßt; denn Gott hat alle guten Dinge, ob sie in den Himmeln oder auf Erden erschaffen sind, für jene Seiner Diener bestimmt, die wahrhaft an Ihn glauben. Genießet, o Menschen, die guten Dinge, die Gott euch erlaubt, und beraubt euch nicht selbst Seiner wunderbaren Gaben. Bringet Ihm Dank und Preis, und gehöret zu den wahrhaft Dankbaren.
Bahá’u’lláh
Das Neunzehntagefest wurde von Báb eingesetzt und von Baha’u’llah in Seinem Heiligen Buch, dem Aqdas, bestätigt, auf dass sich die Menschen versammeln und Verbundenheit und Liebe so deutlich nach außen hin zeigen, dass die göttlichen Geheimnisse enthüllt werden! Das Ziel ist Einklang, damit durch diese Verbundenheit die Herzen vollkommen vereinigt, damit gegenseitiges Wohlwollen und Hilfsbereitschaft begründet werden. Da die Mitglieder der menschlichen Gesellschaft nicht in der Lage sind, ohne gegenseitigeVerbundenheit zu leben, sind Zusammenarbeit und Hilfsbereitschaft die Grundlagen der menschlichen Gesellschaft.
‘Abdu’l-Bahá
Die Äußerung Gottes ist eine Lampe, deren Licht die Worte sind: Ihr seid die Früchte eines Baumes und die Blätter eines Zweiges. Verkehret miteinander in größter Liebe und Eintracht, in
Freundschaft und Brüderlichkeit. Er, die Sonne der Wahrheit, ist Mein Zeuge! So mächtig ist das Licht der Einheit, dass es die ganze Erde erleuchten kann. Der eine wahre Gott, der alle Dinge kennt, bezeugt die Wahrheit dieser Worte.
Bahá’u’lláh
O Sohn des Menschen! Spende Meinen Reichtum Meinen Armen, damit du im Himmel aus der Fülle nie verblassenden Glanzes und den Schätzen unvergänglicher Herrlichkeit schöpfest. Aber bei Meinem Leben: Mir deine Seele darzubringen, ist weit herrlicher – könntest du doch mit Meinen Augen sehen!
Bahá’u’lláh
Täglich werden große Feiern und Festmahle zum Zweck weltlicher Freuden und zum Genuß von Speisen veranstaltet. Die Menschen genießen bestimmte Delikatessen und Erfrischungen unterschiedlicher Quellen, um eine angenehme Zeit zu verbringen. Bälle und Tanzvergnügen folgen. Alles dies ist für den Körper, aber unsere Gemeinschaft kommt durch die Freude am Göttlichen zustande; sie dient der Aufnahme geistiger Nahrung, der Erhellung geistiger Fragen, der Erörterung und Erläuterung von Gottes Lehren und Ratschlägen. Sie ist vollkommene Geistigkeit.
‘Abdu’l-Bahá
Die Gläubigen müssen sich der Liebe Gottes erfreuen und die Kraft erwerben, das Glück der Menschheit und das Wort Gottes zu fördern. Durch solch hohe Gesinnung muss das Fest eine gesicherte Einrichtung werden. Wenn sie sich versammeln, müssen alle Anwesenden ihr Angesicht dem Königreich Abha zuwenden. Aus ihren Herzen müssen sie den erhabenen Thron anrufen und anflehen, Gottes Vergebung für alle Unvollkommenheiten erbitten, die Lehren erforschen und sich zu Seinem Dienst erheben. Danach deckt die Tafel und reicht Erfrischungen. Sicherlich werden große Erfolge das Ergebnis solcher Zusammenkünfte sein. Alle Anwesenden werden von der Brise der Liebe Gottes berauscht, und der Odem des Heiligen Geistes wird die Herzen mit überwältigender Macht beseelen.
‘Abdu’l-Bahá
Sei ein Schmuck für das Antlitz der Wahrheit, eine Krone für die Stirn der Treue, ein Pfeiler im Tempel der Rechtschaffenheit, Lebenshauch dem Körper der Menschheit, ein Banner für die
Heerscharen der Gerechtigkeit, ein Himmelslicht am Horizont der Tugend, Tau für den Urgrund des Menschenherzens, eine Arche auf dem Meer der Erkenntnis, eine Sonne am Himmel der Großmut, ein Stein im Diadem der Weisheit, ein strahlendes Licht am Firmament deiner Zeitgenossen, eine Frucht am Baume der Demut.
Bahá’u’lláh
Wenn ihr aber in diese Versammlungen geht, befreit euch vor eurem Eintritt von allem, was in eurem Herzen ist, befreit eure Gedanken und euren Geist von allem außer Gott und sprecht euch zu Herzen. Dies alles möge die Versammlung zu einer Versammlung der Liebe, zur Ursache der Erleuchtung, zur Versammlung sich anziehender Herzen machen und sie mit dem Licht der Himmlischen Heerscharen umgeben, so dass ihr in größter Liebe zueinander vereinigt seid.
‘Abdu’l-Bahá
Wo immer die Geliebten Gottes sich versammeln und wem immer sie begegnen, sie müssen in ihrer Haltung vor Gott und in der Art, wie sie Seinen Ruhm und Seine Ehre preisen, solche Demut und Ergebenheit zeigen, dass jedes Staubatom unter ihren Füßen die Tiefe ihrer Ergebenheit bezeugt.
Bahá’u’lláh
O Herr! Zu Dir nehme ich Zuflucht und richte mein Herz auf alle Deine Zeichen. O Herr! Ob auf Reisen oder zu Hause, in meinem Beruf oder bei meiner Arbeit, setze ich all mein Vertrauen in Dich. So gewähre mir Deine allgenügende Hilfe und mache mich von allen Dingen unabhängig, o Du, der Du unübertroffen bist in Deinem Erbarmen. Lasse mir meinen Anteil zukommen, o Herr, wie es Dir gefällt, und mache mich zufrieden mit dem, was Du für mich verordnest. Dein ist die unumschränkte Befehlsgewalt.
Báb
In allen Dingen ist Mäßigung wünschenswert. Wird etwas übertrieben, so erweist es sich als Quell des Unheils.
Bahá’u’lláh
O Sohn des Seins! Gedenke Meiner auf Meiner Erde, damit Ich deiner gedenke in Meinem Himmel. So werden Meine Augen und deine Augen erquickt.
Bahá’u’lláh
Jeder von euch muss darüber nachdenken, wie er den anderen Teilnehmern eurer Versammlung gefällig sein und sie glücklich machen kann. Jeder einzelne muss alle Anwesenden für besser und wichtiger halten als sich selbst. Jeder muss sich selbst geringer schätzen als die anderen. Seht die Stufe der anderen als hoch und eure eigene Stufe als niedrig an. Wenn ihr in Übereinstimmung mit diesen Geboten handelt und lebt, so wisst wahrlich und seid gewiss, dass dieses Fest die himmlische Speise ist. Dieses Mahl ist das Abendmahl des Herrn! Ich bin der Diener einer solchen Versammlung.
‘Abdu’l-Bahá
Selig der Mensch, der sich löst von allem außer Mir, sich aufschwingt in die Höhen Meiner Liebe, der Einlaß findet in Mein Reich, Meine Gefilde der Herrlichkeit schaut, die Lebenswasser Meiner Gaben leert, sich am himmlischen Strom Meiner liebenden Vorsehung satt trinkt, mit Meiner Sache vertraut wird, begreift, was Ich in den Schatzkammern Meiner Worte verborgen habe, und, Meinen Ruhm und Preis kündend, vom Himmel göttlicher Erkenntnis strahlt. Wahrlich, er ist von Mir. Mit ihm seien Meine Barmherzigkeit, Meine Gnade, Meine Wohltat und Meine Herrlichkeit.
Bahá’u’lláh
Jetzt ist es Zeit, die Niedergeschlagenen mit dem belebenden Hauch der Liebe und Gemeinschaft und den lebendigen Wassern der Freundlichkeit und Güte aufzumuntern und zu erquicken.
Bahá’u’lláh
O Sohn des Menschen! Frohlocke vor Herzensfreude, damit du würdig seiest, Mir zu begegnen und Meine Schönheit widerzuspiegeln.
Bahá’u’lláh
In jedem Zyklus und mit jeder Offenbarung gibt es in den geheiligten Gesetzen Gottes gesegnete Feste, Feiertage und arbeitsfreie Tage. An solchen Tagen sollten alle Arten von Beschäftigung, Handel, Industrie, Landbau und dergleichen unterlassen werden. Alle sollten sich miteinander freuen, allgemeine Versammlungen abhalten, wie eine Gemeinde werden, damit die nationale Einheit, Einigkeit und Harmonie allen vor Augen geführt wird. Weil es gesegnete Tage sind, sollten sie nicht vernachlässigt oder ihrer Wirkung beraubt werden, indem man sie zu Tagen macht, an denen man sich nur dem Vergnügen hingibt. Während solcher Tage sollten Einrichtungen geschaffen werden, die von dauerndem Segen und Wert für die Menschen sind... Unzweifelhaft müssen an solchem Tag menschenfreundliche oder ideale Spuren von den Freunden Gottes sichtbar zurückbleiben, die in die ganze Menschheit hinausdringen und nicht nur den Bahá’í zugute kommen.
‘Abdu’l-Bahá
Wir wünschen, euch allezeit in Freundschaft und Eintracht im Paradiese Meines Wohlgefallens miteinander verkehren zu sehen und aus eueren Taten den Duft der Freundlichkeit und Einigkeit, der Güte und Gemeinschaft zu verspüren. So rät euch der Allwissende, der Getreue. Wir werden immer mit euch sein. Wenn Wir den Duft euerer Gemeinschaft verspüren, wird sich Unser Herz gewiß freuen, denn nichts anderes kann Uns genügen. Dies bezeugt jeder wahrhaft Verstehende.
Bahá’u’lláh
Die traurigen Ursachen des Krieges
DIE TRAURIGEN URSACHEN DES KRIEGES UND DIE PFLICHT EINES JEDEN, SICH UM FRIEDEN ZU BEMÜHEN
'Abdu'l-Baha in Paris 21. Oktober 1911
1. Ich hoffe, dass ihr alle glücklich und wohlauf seid. Ich bin nicht glücklich, sondern sehr betrübt. Die Nachricht von der Schlacht bei Benghazi bekümmert mein Herz. Ich wundere mich über die menschliche Grausamkeit, die noch in der Welt ist. Wie können Menschen von morgens bis abends kämpfen, einander töten und das Blut ihrer Mitmenschen vergießen? Und wofür? Nur, um die Herrschaft über ein Stück Erde zu gewinnen! Selbst die Tiere haben beim Kampf einen unmittelbaren und vernünftigeren Anlass für den Angriff! Wie schrecklich ist es, dass sich Menschen, die dem höheren Reiche angehören, so erniedrigen, dass sie ihre Mitgeschöpfe um den Besitz eines Landstriches erschlagen und mit Elend überziehen!
2. Das höchste der erschaffenen Wesen kämpft um die niederste Form des Stoffes: Erde.
Das Land gehört nicht `einem Volke`, sondern allen. Diese Erde ist nicht des Menschen Heim, sondern sein Grab. Es ist um ihre Gräber, worum diese Menschen kämpfen. Nichts in dieser Welt ist so schrecklich wie das Grab, die Stätte der verwesenden Menschenleiber.
Wie groß auch der Eroberer sein mag, wie viele Länder er auch versklavt, er kann von diesen verwüsteten Ländern nichts behalten, als ein winziges Stück: sein Grab.
3. Wenn zur Verbesserung der Zustände eines Volkes, zur Verbreitung der Zivilisation (damit gerechte Gesetze an die Stelle unmenschlicher Bräuche treten) mehr Land benötigt wird, so müsste es gewiss auch möglich sein, die erforderliche Gebietserweiterung auf friedlichem Wege zu erreichen.
4. Aber der Krieg wird gemacht, um den menschlichen Ehrgeiz zu befriedigen. Um des weltlichen Gewinnes einiger weniger willen wird schreckliches Elend über ungezählte Heime gebracht und das Herz von Hunderten von Männern und Frauen gebrochen!
Wie viele Witwen trauern um ihre Gatten, wie viele Berichte über wilde Grausamkeiten werden laut! Wie viele verwaiste Kinderchen schreien nach ihren toten Vätern, wie viele Frauen weinen um ihre erschlagenen Söhne!
Nichts ist so herzzerbrechend und schrecklich, wie ein Ausbruch der menschlichen Wildheit.
5. Ich heiße euch alle und jeden von euch, alles, was ihr im Herzen habt, auf Liebe und Einigkeit zu richten. Wenn ein Kriegsgedanke kommt, so widersteht ihm mit einem stärkeren Gedanken des Friedens. Ein Hassgedanke muss durch einen mächtigeren Gedanken der Liebe vernichtet werden. Kriegsgedanken zerstören alle Eintracht, Wohlfahrt, Ruhe und Freude.
Gedanken der Liebe schaffen Kameradschaftlichkeit, Frieden, Freundschaft und Glückseligkeit.
6. Wenn Soldaten der Welt den Säbel ziehen, um zu töten, so schütteln die Soldaten Gottes einander die Hände.
So mag durch die Gnade Gottes, die sich durch die reinen Herzen und aufrichtigen Seelen auswirkt, alle menschliche Wildheit schwinden.
7. Haltet den Frieden der Welt nicht für ein unerreichbares Idealbild! Nichts ist für Gottes Güte unmöglich.
Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit allen Rassen auf Erden wünscht, so werden sich eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten, sie werden zum Wunsche anderer werden, wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen erreichen.
8. Verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit und Liebe werden den Hass besiegen. Wie viel ereignet sich in diesen Tagen, das unmöglich schien! Wendet beständig euren Blick dem Licht der Welt zu! Erzeiget allen Liebe, "Liebe ist der Hauch des Heiligen Geistes im Menschenherzen". Fasset Mut! Gott verlässt Seine Kinder, die streben, arbeiten und beten, nicht. Lasst eure Herzen vom angestrengten Wunsch erfüllt sein, dass Ruhe und Einklang diese streitende Welt umfangen mögen. So wird euer Bemühen von Erfolg gekrönt sein und mit der allumfassenden Bruderschaft das Gottesreich in Frieden und Wohlwollen erscheinen.
9. In diesem Raum sind heute Angehörige vieler Rassen, französische, amerikanische, englische, deutsche, italienische Brüder und Schwestern, in Freundschaft und Harmonie beisammen. Lasst diese Zusammenkunft eine Ahnung dessen sein, was sich wahrhaftig in dieser Welt ereignen wird, wenn jedes Gotteskind erkennt, dass sie alle Blätter `eines Baumes`, Blumen `eines Gartens`, Tropfen `eines Meeres` und Söhne und Töchter `eines Vaters` sind, dessen Name Liebe ist!
10. Schlussgebet
O Du gütiger Herr! Du hast die ganze Menschheit aus dem gleichen Stamm erschaffen. Du hast bestimmt, dass alle der gleichen Familie angehören. In Deiner heiligen Gegenwart sind alle Deine Diener, die ganze Menschheit findet Schutz in Deinem Heiligtum. Alle sind um Deinen Gabentisch versammelt; alle sind erleuchtet vom Lichte Deiner Vorsehung.
O Gott! Du bist gütig zu allen, Du sorgst für alle, Du beschützest alle, Du verleihst allen Leben.
Du hast einen jeden mit Gaben und Fähigkeiten ausgestattet, und alle sind in das Meer Deines Erbarmens getaucht.
O Du gütiger Herr! Vereinige alle. Gib, dass die Religionen in Einklang kommen und vereinige die Völker, auf dass sie einander ansehen wie eine Familie und die ganze Erde wie eine Heimat.
O dass sie doch in vollkommener Harmonie zusammenlebten!
O Gott! Erhebe das Banner der Einheit der Menschheit.
O Gott! Errichte den Größten Frieden.
Schmiede Du die Herzen zusammen.
O Du gütiger Vater, Gott! Erfreue unsere Herzen durch den Duft Deiner Liebe. Erhelle unsere Augen durch das Licht Deiner Führung. Erquicke unsere Ohren mit dem Wohlklang Deines Wortes und beschütze uns alle in der Feste Deiner Vorsehung.
Du bist der Mächtige und der Kraftvolle, Du bist der Vergebende und Du bist der, welcher die Mängel der ganzen Menschheit übersieht.
´Abdul-Baha
Worte eines aufgeklärten weisen Menschen
Darum sollte ein aufgeklärter, weiser Mensch vornehmlich in Worten reden, die sanft wie Milch sind, damit seine Worte die Menschenkinder nähren und erbauen,
so dass sie das höchste Ziel menschlichen Daseins erreichen: Die Stufe wahren Verstehens und geistigen Adels.
Die Bedeutung des Völkerrechts für den internationalen Frieden
In einer Welt, die von Konflikten und Unsicherheiten geprägt ist, ist das Völkerrecht von
zentraler Bedeutung. Es soll internationalen Frieden sichern und Gewalt zwischen Staaten
verhüten. Um die Bedeutung des Völkerrechts trotz Kriegen in der Welt zu erläutern, war der
renommierte Völkerrechtler Maximilian Bertamini am 27.10.2024 im Baháʼí Zentrum Witten
für einen Vortrag zu Gast.
Bertamini befragte die Zuhörer, was für sie unter Frieden verstehen. Dann erklärte er den
Begriff aus Sicht des Völkerrechts. Nach diesem ist Frieden mehr als die bloße Abwesenheit
von Krieg. Neben einem Friedenszustand müssen auch Friedensbedingungen erfüllt sein, um
einen Frieden zu schaffen, der den Namen verdient. Dazu gehören zum Beispiel die Wahrung
gewisser menschenrechtlicher Standards sowie die Achtung von Selbstbestimmung.
Schweigen die Waffen nur, weil ein rechtswidrig angegriffener Gegner geschlagen und
unterworfen ist, dann ist der Begriff des Friedens trügerisch.
Das Völkerrecht kenne die Wege zum Frieden. Es durchzusetzen, ist laut Bertamini jedoch
aus vielen legitimen Gründen nicht immer leicht. Reformen von internationalen Institutionen
wie den Vereinten Nationen wären dafür nötig, um wirksamer auf Verstöße gegen
internationales Recht reagieren zu können.
Trotz der Herausforderungen, mit denen die Durchsetzung des Völkerrechts konfrontiert ist,
zeigte Bertamini, dass im Großen und Ganzen ein positives Fazit für die Geltung des
Völkerrechts gezogen werden müsse, denn: Die allermeisten Staaten halten sich weitgehend
an völkerrechtliche Normen. Selbst Staaten, die gegen das Völkerrecht verstoßen, bemühen
sich darum, als rechtskonform wahrgenommen zu werden. Dies zeige, dass das Völkerrecht
auch in schwierigen Zeiten eine wichtige normative Funktion erfüllt.
Zum Abschluss ermutigte Bertamini zu drei Dingen: Erstens, das Völkerrecht trotz Kriegen in
der Ukraine und dem Nahen Osten nicht aus lauter Zynismus gering zuschätzen. Zweitens,
einfache Parolen zum Thema Frieden mit Skepsis zu betrachten und stattdessen einen
anspruchsvollen Friedensbegriff wählen. Und drittens, für diejenigen Wertungen einzutreten,
die auch das Völkerrecht trifft. Etwas rechtlich zu regeln, entbinde niemanden von der
Verantwortung, diese Regeln auch zu leben.
Seite 1 von 10